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Interview mit Übersetzerin Dr. Cynthia Dyre aus Leipzig

Englisch-Übersetzerin und Lektorin aus Leipzig

16 Apr 2016
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von Dave Naithani
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Dr. Cynthia Dyre ist US-Ame­ri­ka­ne­rin und seit 2008 in Leip­zig als Englisch-Über­setzerin, -Sprach­trai­ne­rin und -Lek­torin tätig. Wir haben mit ihr über ihren Berufsalltag und über die Stadt Leipzig gesprochen.

Frau Dr. Dyre, wie ist Ihr Werdegang – wie kommen Sie zum Beruf der Englisch-Übersetzerin?

Ich bin US-Amerikanerin, wohne jedoch schon seit 1990 in Deutschland, wo ich zunächst als zertifizierte Lehrerin (Englisch als Fremdsprache) Englisch unterrichtet habe. Über die Jahre wurde ich auch immer wieder gebeten, Dokumente für Freunde ins Englische zu übersetzen. Dies machte mir Spaß und ich entdeckte, dass ich ein Händchen dafür hatte. Ich machte mich nebenher selbständig und begann, geschäftliche und akademische Übersetzungsaufträge anzunehmen – zunächst in den Bereichen Bewerbungen, Immobilien und Kirche. Seit 2008 bin ich nun hauptberuflich als selbstständige Englisch-Übersetzerin, Lektorin und Sprachtrainerin tätig.

Sie verfügen über eine solide musikalische Ausbildung, haben u. a. einen „Doctor of Musical Arts“. Welche Fertigkeiten aus der Welt der Musik helfen Ihnen heute als Sprachdienstleisterin?

Als Musikerin nimmt man Noten bzw. Texte die von einem Dritten stammen, und versucht sie so zu interpretieren, dass der Zuhörer verstehen kann, worum es in dem Stück oder Lied geht und davon berührt wird. Als Übersetzerin arbeitet man auch mit dem Gedankengut eines Drittes und und übersetzt es so in die Zielsprache, dass der Leser den Text auf Anhieb richtig versteht und dessen Aussage so klar ankommt, wie in der Ausgangssprache.

Mit welchen Kunden arbeiten Sie besonders gerne zusammen? Welche Textsorten sind für Sie spannend?

Ich arbeite mit allen Arten von Kunden und Textsorten gerne. Weil ich kontaktfreudig und neugierig bin – und weil man bekannterweise nie auslernt! Als Übersetzerin liest man sich laufend in neue Themenbereiche ein und arbeitet mit den verschiedensten Menschen. Ich empfinde dies als sehr bereichernd. Wenn es sich jedoch um Fachtexte handelt, bin ich besonders bewandert in den Bereichen Marketing/Business, Immobilien, Musik, Kunst und Kultur sowie Religion und Geschichte.

Was machen Sie, wenn ein Kunde in einem Text ausschließlich „britisches Englisch“ möchte?

Als Amerikanerin muss ich dann besonders aufpassen. Die USA und Großbritanien sind in der Vergangenheit als „zwei Nationen, die durch eine gemeinsame Sprache getrennt sind“ beschrieben worden. Ganz so schlimm ist es heute vermutlich nicht mehr. Wussten Sie beispielsweise, dass im britischen Englisch mittlerweile oft „z“ statt „s“ verwendet wird, etwa im Wort „organization“?
Über die Jahre bin ich jedenfalls firm darin geworden, wenn es um britische Begriffe, Redewendungen, Schreib- und Interpunktionskonventionen geht. Im Zweifelsfall, wende ich mich an eine britische Kollegin und suche Rat.

Heute gibt es auch etwas, das man in der Sprachwissenschaft „International English“ nennt. Eine Englischform, die nicht explizit britisch oder amerikanisch ist, die Redewendungen mit Vorsicht genießt und eine internationale Leserschaft im Auge hat. Manchmal ist International English die beste Lösung.
Ich berate meine Kunden jeweils zu Beginn unserer Zusammenarbeit, welches Englisch am bessten zu ihrem Projekt passt und dem Endkunden, an den sich der englische Text letztlich richten wird.

Wird der menschliche Übersetzer eines Tages vom Computer abgelöst?

Sicherlich nie vollständig! Und das sehen wir deutlich, wenn wir Benutzerhandbücher u.s.w. lesen, die offensichtlich mit Hilfe einer Software übersetzt worden sind und nicht mehr als „unverständliches Fachchinesisch“ sind. Übersetzungssoftware kann Wörter wortwörtlich übersetzen und vielverwendete Phrasen auch mehr oder weniger idiomatisch interpretieren. Translation Memory Software hilft Übersetzern, Terminologiedatenbanken anzulegen und so schneller und einheitlicher zu arbeiten. Aber, um nicht nur das Mechanische (die Wörter) sondern auch schwierige Inhalte (das Gedankengut des Autors) zwischen den Zeilen zu übersetzen, braucht man einen menschlichen Übersetzer. Und nicht nur irgendeinen, sondern einen erfahrenen Profi, der sich in seiner Muttersprache bewegt – ein/e Wortkünstler/in.

Beschreiben Sie den perfekten Arbeitstag.

Als Übersetzerin sitzt man stundenlang am Computer und ist stundenlang voll und ganz auf Texte konzentriert. Die Zeit kann sehr schnell vorbeigehen. Für mich ist ein perfekter Arbeitstag einer, an dem ich auch daran denke, alle paar Stunden aufzustehen und mich zu bewegen und mit anderen Menschen Zeit zu verbringen. Dann kann ich wieder erfrischt an meine Arbeit zurückkehren und top konzentriert weiterarbeiten.

Was darf auf Ihrem Schreibtisch nicht fehlen?

Neben meinem PC – eine Tasse Kaffee oder Tee!

Was brachte Sie nach Leipzig? Wohnen Sie gerne in Deutschland?

Ich bin damals nach Leipzig gezogen, weil mein Mann hier Arbeit als Opernsänger gefunden hatte. Zuvor habe ich auch in anderen deutschen Städten gewohnt, in Trier, Bremen und Mannheim. Ja, und ich wohne wirklich sehr, sehr gerne in Deutschland!

Wenn Sie Besuch aus USA haben: Was sind in Leipzig Ihrer Meinung nach Must-Sees?

Neben Familienbesuch kommen vor allem auch Freunde aus der Musikbranche. Die wissen schon, dass Leipzig eine Musikstadt – eine Bach-Stadt – ist. Natürlich besuchen wir die Thomas- und Nikolaikirchen, das Gewandhaus, die Oper, folgen der Notenspur u.s.w. Für alle Besucher sind die Ausstellungen, die sich mit der friedlichen Revolution befassen sehr interessant, beispielsweise das Museum in der Runden Ecke. Auch der Auenwald und das Neuseenland locken zum verbringen der Freizeit. Letztlich sind die Bundeshauptstadt und Dresden nur einen Katzensprung entfernt – man kann also ebenfalls leicht eine Tagesreise dorthin machen. Es gibt so vieles was man in der Umgebung von Leipzig sehen kann!
Und was die Gastronomie betrifft – Leipzig hat eine Unmenge an tollen Restaurants und Gaststätten, weshalb ich selber immer wieder neue Cafés entdecke. Im „Café Luise“ treffe ich mich aber am liebsten mit meinen Freunden.

Kontakt Büro Leipzig

Dr. Cynthia Dyre, , Leipzig

Dr. Cynthia Dyre

Über­setzerin | Lek­torin | Sprach­trainerin

E-Mail: dyre@language-boutique.de
Website: language-boutique.de/dyre.leipzig
Telefon: +49 341 67 965 810

Sprachkombination

Deutsch → Englisch


Das Interview führte Dave Naithani

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